Estland – Nordische Wintergäste

Eulen, Raufußhühner und Spechte in den Wäldern

Im Spätwinter, noch vor Ankunft der ersten Zugvögel, wird die Avifauna Estlands von der Anwesenheit vieler nordischer Wintergäste dominiert, denen das ausreichend vorhandene Nahrungsangebot in den tiefen und eisfreien Gewässern entlang der Küste Westestlands eine ideale Überwinterungsgrundlage bietet. Innerhalb der zerklüfteten Küstengewässer rund um die Insel Saaremaa tummeln sich Tausende verschiedener Meeresenten, Säger und Schwäne. Im Binnenland überfliegen Schwärme von Schneeammern die nur noch lückig verschneite Offenlandschaft. Regelmäßig werden die seltenen Sperbereulen gesichtet.
Anfang März beginnen aber auch die in Estland heimischen Vögel, sich auf die kommende Brutsaison vorzubereiten. Steinadler und Seeadler haben die Bruthorste längst besetzt, Spechte untermauern ihre Paarungsbereitschaft lautstark durch ein weithin hörbares Trommeln. Auch auf den Balzplätzen der Birkhähne ist ein erstes Gullern zu vernehmen, und die heimischen Eulen haben ihre Brutlebensräume bezogen.
Im Zeitraum zwischen Nachtfrost und Schneeschmelze möchten wir Sie zu einer ornithologischen Raritätenreise einladen, deren Höhepunkt die Beobachtung der weltweit seltenen, weil nur sehr lokal vorkommenden Scheckente darstellt. Sie überwintert in der nördlichen Ostsee, speziell innerhalb der Küstengewässer des westestnischen Inselarchipels.

Singschwan (Cygnus cygnus)

1. Tag: Flug von Frankfurt nach Tallinn und Weiterfahrt auf die Insel Saaremaa. Am Abend unternehmen wir eine erste Exkursion in das Revier eines Sperlingskauzes in der näheren Umgebung unserer Unterkunft.

2. Tag: Ganztägige Exkursion entlang der Nordwestküste mit mehreren Beobachtungsstopps (u.a. Dohle, Nebelkrähe, Kolkrabe, Elster und Eichelhäher) in unmittelbarer Meeresnähe. Hier haben wir gute Chancen auf Höckerschwan, Kormoran, Graureiher und Seeadler. Der entlang der Nordküste hoch aufschließende Baltische Glint bietet mit seiner Kliffküste beste Möglichkeiten, die weitläufigen Meeresbuchten und Küstengewässer optimal einzusehen.
Neben der Beobachtung von Sturmmöwen, Mantelmöwen, Silbermöwen und Lachmöwen sowie Eiderenten, Eisenten, Samtenten und Trauerenten wird der heutige Tag aus ornithologischer Sicht durch das hiesige Vorkommen der Scheckente gekrönt, die in einer kleinen Population mit jährlich zunehmender Individuenzahl (ca. 600 bis 1.500 Exemplare) die nordöstliche Ostsee als Überwinterungsplatz nutzt. Man geht inzwischen davon aus, dass die stetige Zunahme an Überwinterungsgästen entgegen dem allgemeinen Bestandsrückgang auf eine Verschiebung des sibirischen Brutareals in Richtung Westen zurückzuführen ist.
Besonders imposant zu beobachten sind die von der Scheckente oft synchron vollzogenen Richtungsänderungen und Abtauchbewegungen innerhalb des gesamten Trupps.

Krickente (Anas crecca)

3. Tag: Wir fahren zur Südwestküste auf die schmale Halbinsel Sõrve, die sich im südwestlichen Saaremaa zum lettischen Festland hin erstreckt. Die ca. 30 Kilometer lange Landzunge trennt die offene Ostsee von der Rigaer Bucht und bietet den nach Norden ziehenden Vögeln vor allem Windschutz und bereits im März erste eisfreie Flachwasserbereiche.
Die Küste Lettlands in Sichtweite, dient Sõrve zudem besonders Kleinvögeln wie Feldlerche, Gimpel, Grünfink, Goldammer, Wintergoldhähnchen, Kohlmeise und Blaumeise  als „Trittbrett“, da die Halbinsel als weithin sichtbare Landmarke den gefährlichen, weil stark witterungsabhängigen Überflug über die großen Wasserflächen des offenen Meeres verkürzt. Deshalb bündeln sich hier mehrere Zugrouten, und bei guten Witterungsbedingungen erreichen Trupps von Kleinvögeln die Halbinsel im Minutentakt. Somit können Sie heute auf Rotdrossel und Wacholderdrossel, Heidelerche und Steinschmätzer sowie Birkenzeisig und Raubwürger hoffen.
Auf den offenen Wasserflächen ist die Beobachtung von Gänsesäger, Zwergsäger und Mittelsäger sowie Pfeifente und Schellente ebenso wahrscheinlich, wie Sie auf den Alvaren mit etwas Glück das „Meckern“ der ersten Bekassinen vernehmen können.

Reiherente (Aythya fuligula)

4. Tag: Am Morgen steht eine weitere Scheckenten-Beobachtung auf dem Programm, bevor wir die Nordküste der Insel Saaremaa entlang in Richtung Fährhafen fahren. Da die inneren Küstengewässer im Winter meist komplett zufrieren, bilden sich ab März täglich größer werdende Offenwasserflächen und innerhalb dieser Treibeisfelder versammeln sich viele Vögel (wie zum Beispiel Krickenten, Stockenten, Tafelenten, Reiherenten, Bergenten, Samtenten und Trauerenten).
Während der Überfahrt zum Festland sehen wir vielleicht eine Eismöwe und häufig zeigen sich Ringelrobben.
Nach einem Zwischenhalt an der Südküste im Nationalpark Matsalu und der „Western Taiga“, wo sich die bereits eingetroffenen Graugänse, Blässgänse und Singschwäne versammeln, oft sind auch noch ein paar Kraniche und Kiebitze dabei, erreichen wir am Nachmittag den Nordwesten Estlands und damit eine der waldreichsten Regionen des Landes. In den sehr boreal geprägten Waldbiotopen gilt unser besonderes Interesse den Raufußhühnern und heimischen Spechtarten, zu denen unter anderem Schwarzspecht, Dreizehenspecht und Weißrückenspecht zählen.

Höckerschwan (Cygnus olor)

Wir beobachten am Kap Põõsaapea, der nordwestlichsten Spitze des Festlandes, wo wir Gelegenheit für eine weitere Seevogelbeobachtung haben. Hier ist es manchmal auch möglich, unter den Eisenten und Schellenten eine Gryllteiste auszumachen.
Am Abend besuchen wir noch das Revier eines Habichtskauzes und hoffen, dass wir ihn nicht nur rufen hören.

Tag 5: Am frühen Morgen hoffen wir in den Heidemoorlandschaften auf Auerhühner und Birkhühner zu stoßen, und mit etwas Glück gelingt uns sogar die Beobachtung eines Elches, der im zeitigen Frühjahr morgens oft auf die zunehmend schneelosen Freiflächen tritt.
Bevor wir die estnische Hauptstadt erreichen, unternehmen wir noch eine weitere Vogelbeobachtung am Keila-Fluss, der unweit von Tallinn mit einem imposanten Wasserfall in den Finnischen Meerbusen mündet. In den schnell fließenden Abschnitten des Unterlaufes ist häufig die Wasseramsel anzutreffen. Auch der Eisvogel kommt hier vor.
Wir fahren zum Flughafen nach Tallinn zurück, von wo aus wir die Heimreise antreten.

 

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Teilnehmer: maximal 7, minimal 4 Personen

Reisepreis – Reisedaten

Enthaltene Leistungen:

  • Flüge wie in der Reisebeschreibung aufgeführt (Abflughäfen auf Anfrage)
  • Zimmer mit DU/WC
  • Vollpension
  • mittags Lunchpakete
  • Fahrt- und Führungskosten
  • Bootstouren so wie im Reiseplan aufgeführt
  • örtliche deutschsprachige ornithologische Reiseleitung
  • Genehmigungen
  • Eintrittsgelder, soweit im Reiseplan aufgeführt
  • Reise-Rücktrittskosten-Versicherung

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