Frühjahrszug in Estland

Rauhfußhühner und Doppelschnepfenbalz

Beim alljährlichen Vogelzug in den Hohen Norden nimmt Estland eine Schlüsselposition ein. In den östlichen und vom kontinentalen Klima geprägten Landesteilen beginnt der Frühling jedes Jahr ungefähr drei Wochen eher als in der westlichen Küstenregion. Mit dem dadurch verbundenen früheren Start der Vegetationsperiode und der somit raschen Entwicklung von Kleinstlebewesen ist Ostestland für die Zugvögel ein unerschöpfliches Nahrungsreservoir. In der Zeit zwischen Mitte März und Ende Mai werden die überschwemmten Flusstalmoore im Binnenland und die Uferbereiche und Polderflächen von Hunderttausenden Zugvögeln als Raststätte auf ihrem Weg in die weiter nördlich gelegenen Brutgebiete aufgesucht.
Mit dem Ende der letzten Eiszeit begann sich die Vogelwelt des heutigen Estlands zu entwickeln. Die ersten Rückkehrer kamen aus den arktischen Gebieten und Tundren. Inzwischen haben sich auch viele Arten der südlichen Regionen das Territorium Estland als Brutlebensraum erschlossen. Die Klimaerwärmung ist jedoch auch Grund dafür, dass Arten wie Sterntaucher und Eisente wieder in nördlichere Regionen abwandern.
Ob Schwarzstorch, Birkhuhn, Habichtskauz und Doppelschnepfe, oder der aus den östlichen Regionen vordringende Buschrohrsänger – das Baltikum ist ein Vogelparadies.

1. Tag: Flug ab Frankfurt nach Tallinn. Nach Ankunft fahren wir in den östlich der Hauptstadt gelegenen Lahemaa Nationalpark. Gegen Abend suchen wir im Park unserer Unterkunft nach Dreizehen- und Weißrückenspecht.

2. Tag:
Wir besuchen den Lahemaa Nationalpark, der sich ca. 80 Kilometer entlang der Nordküste erstreckt und weit in das Binnenland zieht. Der stark gegliederte Küstenverlauf – Kalksteinplateaus mit Kliffküste, Buchten und Sandstränden, ermöglicht beste Seevogelbeobachtungen. Große Trupps von Weißwangen- und Ringelgänsen sind zu erwarten. Für Stern-, Pracht- und Eistaucher, Samtente, Trauerente, Eis- und Eiderente sind die Chancen sehr gut.
Nach dem Abendessen suchen wir an einem Wildbach nach einem Biber, der hier sein Revier hat.

3. Tag:
Nach dem Frühstück besuchen wir ein seit 170 Jahren unbewirtschaftetes Waldreservat im Nationalpark. Reich an Quellsümpfen ist hier der ideale Lebensraum für das Haselhuhn und in den alten Totholzbeständen für Schwarz- und Dreizehenspecht; auch der Kiefernkreuzschnabel ist nicht selten. Mit etwas Glück sind Fährten von Braunbär und Luchs zu sehen.
Nach einem Picknick am Informationszentrum suchen wir in den seichten Flachwasserbereichen der Küstenwiesen nach Pfeif- und Spießenten, Steinwälzer, Grünschenkel, Bruchwasserläufer, Sichel-, Meer-, Temminck-, Alpen- und Zwergstrandläufer. Mit etwas Glück finden wir auch Eismöwe, Mornellregenpfeifer und Sumpfläufer sowie Brandgänse, Mantel- und Heringsmöwen, die schon ihr Brutrevier besetzt haben.
Fahrt nach Puurmani. Unser Landhotel an einem kleinen Flusslauf liegt mitten im Revier eines Schreiadlers.

4. Tag: Frühmorgens besuchen wir einen Balzplatz von Birkhühnern im Alam-Pedia Schutzgebiet. Jedes Jahr vollführen hier 10 - 12 Hähne ihre einmaligen Scheinkämpfe. Bei einer Wanderung durch einen Hochmoorkomplex und einen angrenzenden Moorwald sind meist Goldregenpfeifer, Rauhfußbussard, Tannenhäher und mit etwas Glück Auerhühner, Hakengimpel und Waldammern zu sehen.
Das 34.220 ha große Schutzgebiet ist eines der unberührtesten Feuchtgebiete Europas. Unzählige Fließgewässer durchziehen Sümpfe, Feuchtwälder und Überschwemmungswiesen. Bei einer Bootstour auf dem Emajõgi-Fluss begegnen wir meist Seeadler, Schwarzstorch, Rohrammer, Rohrweihe sowie der Bartmeise und hören den Wachtelkönig.

5. Tag:
Eine längere Wanderung führt uns durch die Hochmoore des Endla Naturschutzgebietes, in dem neben Fisch- und Seeadler auch Schrei- und Steinadler brüten. Von einem Beobachtungsturm aus haben wir eine eindrucksvolle Sicht auf ein faszinierendes Hochmoorplateau und auf den verlandenden Endla-See. Vor allem während des Frühjahrszuges rasten hier Sing- und Zwergschwäne.
Nach dem Abendessen fahren wir in ein Revier des Habichtskauzes. Im umliegenden Gebiet wurden auch schon Sperlings- und Rauhfußkauz nachgewiesen. Danach besuchen wir einen der bedeutendsten Balzplätze der Doppelschnepfe im nordöstlichen Europa. Bis zu 25 Männchen vollführen hier jedes Jahr ihre Flattersprünge.

6. Tag: Am Morgen beobachten wir in den Auengebieten des Pedja-Flusses. Auf den schon seit Jahrhunderten als Heuwiesen bewirtschafteten Flächen sind oft Kranich und Großer Brachvogel anzutreffen, aber auch Merlin, Knäckente und Kleines Sumpfhuhn werden immer wieder beobachtet. In den Auenwäldern brüten Gelbspötter, aber auch der Trauerschnäpper ist meist zu sehen.
Am Nachmittag beobachten wir in den nur zum Teil bewirtschafteten Fischteichen von Ilmatsalu. Diese gelten als der ornithologische „Hot Spot“ des Binnenlandes. Während der Frühjahrsüberschwemmung rasten hier große Schwärme Blässgänse, Zwerg- und Singschwäne sowie zahlreiche Tafel-, Reiher- und Krickenten. See- und Fischadler brüten im Gebiet. Auch der Eisvogel ist regelmäßig anzutreffen und mit etwas Glück die Zwergschnepfe. Bei einem abendlichen Besuch der ornithologischen Gesellschaft Estlands, bekommen wir einen kleinen Einblick in deren Arbeit.

7. Tag:
Ganztagesexkursion am Peipussee und dem Polder von Räpina (Ramsar-Gebiet), der mit jährlich 1,5 Millionen Zugvögeln zu den wichtigsten Sammel- und Rastplätzen in Estland gehört. Vorwiegend können hier Kraniche und der Wachtelkönig gesehen und gehört werden, neben Zwergsäger, Schwarzhals- und Ohrentaucher sowie vielen Bläss- und Graugänsen. Als Brutvögel finden wir eine kleine Kolonie von Trauerseeschwalben und Zwergmöwen, welche in der Regel auch schon besetzt ist.

8. Tag:
Heute Morgen besuchen wir in der Nähe des Emajõgi-Flusses die Polderwiesen von Ardla. Ein optimales Brutrevier für Grünschenkel, Bartmeise, Schafstelze und Karmingimpel, die auch oft gesehen werden. Ebenso ist in diesem Gebiet eine Kolonie von Zwergmöwen gut einzusehen.
Am späten Nachmittag erreichen wir Tallinn.

 

9. Tag: Je nach Abflugzeit besteht die Möglichkeit zur Teilnahme einer ca. 3-stündigen Stadtführung durch das mittelalterliche Tallinn. Wer möchte, kann aber auch noch eine Tallinn vorgelagerte Halbinsel besuchen; gute Chancen, noch Eis- und Eiderente und den Mittelsäger zu beobachten.
Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Deutschland.

 

 

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Da viele Gebiete nicht mit dem Auto angefahren werden können, muss bei dieser Tour auch viel gewandert werden; bis zu 11 km/Tag. Natürlich besteht die Möglichkeit, die Touren nicht komplett mit zu laufen.

Teilnehmer: maximal 12, minimal 8 Personen

Im Reisepreis enthalten:
- Flüge
- Zimmer mit DU/WC
- Halbpension
- mittags Lunchpakete
- Fahrtkosten
- Bootsfahrten
- deutschsprachige Reiseleitung von örtlichen Ornithologen
- Führungskosten
- Eintrittsgelder, soweit im Reiseplan aufgeführt
- Reise-Rücktrittskosten-Versicherung
- Sicherungsschein

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