Das extrem dünn besiedelte Weißrussland wurde bisher kaum
von westlichen Ornithologen besucht. Dabei beherbergen die großen
Wälder, ausdehnten Hoch- und Niedermoore, glasklaren Moränenseen
und nicht zuletzt die riesigen Sümpfe und Auenlandschaften der Pripjetniederung
eine vielfältige und faszinierende Vogelwelt. Aufgrund der geographischen
Lage können hier östliche Arten wie Terekwasserläufer,
Buschrohrsänger, Sprosser, Sperbergrasmücke, Zwergschnäpper
und Lasurmeise, nordische Vögel wie Singschwan, Bartkauz und Regenbrachvogel
sowie eher südlich verbreitete Arten wie Wiedehopf, Weißbartseeschwalbe
und Halsbandschnäpper beobachtet werden. Auer-, Birk- und Haselhuhn
sind noch verbreitet, aber nur zur Balzzeit im zeitigen Frühjahr
gut zu beobachten.
Bemerkenswert ist die Häufigkeit von in Mitteleuropa relativ seltenen
Arten wie Schwarzstorch, Rohrdommel, Schreiadler, Wachtelkönig, Weißflügelseeschwalbe,
Weißrückenspecht und Karmingimpel, aber auch von Bibern. Neben
der 5.500-9.000 Paare umfassenden, weltweit größten Population
des Seggenrohrsängers gehören Schelladler und Doppelschnepfe
zu den ornithologischen Highlights.
Bei der Tour im April werden wir die wärmeliebenden Arten vermissen,
aber Spechte, Eulen, Rauhfußhühner sowie durchziehende Enten
und Limikolen werden bestimmt besser zu beobachten sein.
1. Tag: Flug von Frankfurt nach Minsk.
Anschließend Transfer zum Hotel.
2. Tag: Fahrt zum 82.000 ha großen Berezinsky Biosphären-Reservat
mit seinen riesigen Hochmooren, ausgedehnten Sumpf- und Kiefernwäldern,
glasklaren Flüssen und Seen, in denen noch Wolf, Braunbär,
Elch, Biber und Fischotter leben, von denen aber nur Biber
häufig sind. Wanderung zu einem riesigen, völlig ungestörten
Hochmoor, in dessen baumfreien Zentrum Kraniche und Limikolen
wie Regenbrachvogel, Bruchwasserläufer und Rotschenkel
brüten. ImRandbereich des Moores werden u.a.
Dreizehenspecht, Grünlaubsänger und Rotdrossel,
am Himmel Schwarzstorch, Schreiadler, Wespenbussard und
Kolkrabe oft gesehen. Besuch des Naturkundemuseums
des Biosphärenreservats.
3. Tag: Wanderung durch ausgedehnte Kiefern-, Birken- und Erlensumpfwälder
zu einem großen flachen Moorsee (Kranich, Weißrücken-
und Mittelspecht, Habichtskauz, Bekassine, Sprosser, Gelbspötter,
Trauerschnäpper). Danach Fahrt zum nährstoffreichen Beresch-See
(u.a. Singschwan, Zwergmöwe, Fluß-, Trauer-, Weißflügel-
und Weißbartseeschwalbe). Gegen Abend fahren wir zum
Seengebiet des NP Braslawskiye Seen, im Nordwesten Weißrusslands
an der Grenze zu Litauen.
4. Tag: Fahrt an das Nordufer des Snudy Sees
und Bootsfahrten zu Inseln mit Brutkolonien von Kormoran, Silber-
und Sturmmöwe. Rohrdommel, Austernfischer, Brachvogel und
Gänsesäger sind nicht selten; auch Schwarzhalstaucher
und Rothalsgänse wurden hier gesehen. Am Seeufer haben wir
schon grasende Elche sowie Schwarzstorch, Schreiadler, Pirol,
Karmingimpel, Schilf- und Drosselrohrsänger beobachtet.
5. Tag: Vormittags nochmals Exkursion
an den Braslaw Seen (Blaukehlchen, Beutelmeise),
danach Fahrt in den NP Narotschanskiy. Bei kurzen Stopps
wurden meist Wiesenweihe und Schreiadler beobachtet.
In der Umgebung des Hotels konnten bisher immer Waldschnepfe, Ziegenmelker
und Sprosser nachgewiesen werden.
6. Tag: Exkursionen entlang des Ost- und Nordufers des Narotsch-Sees
(Rohrdommel, Mittelsäger, Schellente, Schreiadler, Wasserralle,
Rohr- und Schlagschwirl, Grünlaubsänger). Wanderung
auf eine Halbinsel im Mjastro- und Weißsee
mit zahlreichen Biberbauen. Wenn noch Zeit bleibt, Besuch der
nordisch anmutenden Blau-Seen, inmitten ausgedehnter
Wälder (Zwergschnäpper) mit interessanter Flora (Küchenschelle,
Salomonssiegel, Arnika).
7. Tag: Fahrt über Minsk nach Süden in die Pripjetsümpfe
bei Telehany. Abendexkursion in die ausgedehnten Sumpfwälder
der Umgebung, dem Brutgebiet von Bartkauz, Birkhuhn, Waldwasserläufer,
Waldschnepfe und Weißrückenspecht.
8. Tag: Bei Wanderungen in den Sumpfwäldern, Feuchtwiesen
und Sandheiden der Umgebung von Telehany und am Wygonskoye
See brüten Bart-, Habichts- und Waldkauz, Waldohreule,
Schwarzstorch, Schlangen- und Schelladler, Wespenbussard, Kranich,
Waldwasserläufer, Wachtelkönig, Steinkauz, Wiedehopf, Wendehals,
Heidelerche. Ferner sind Laubfrosch, Rot- und Gelbbauchunke
und Wechselkröte meist zu sehen.
9. Tag: Morgens Fahrt ins Tal
der Yeselda. Die ausgedehnten Seggenmoore dieses Flusstales beherbergen
eine der dichtesten und größten Populationen des seltenen Seggenrohrsängers
in ganz Weißrussland.
10. Tag: Morgens nochmals Exkursion in der Umgebung von Telehany.
Weiterfahrt in den 1969 gegründeten NP Pripyatskiy.
Unterwegs suchen wir an der Swinowodaue nach Sumpfschildkröten.
Der NP umfasst die riesigen naturnahen Überschwemmungsbereiche des
Flusses Pripjet mit ausgedehnten Auenwiesen sowie eindrucksvollen Weich-
und Hartholzauenwäldern aus Silberweiden, Eichen und Eschen. Hier
konnten wir 2009 frische Wolfsspuren finden; Biberburgen
sind häufig. Wisente werden wieder eingebürgert.
11. - 13. Tag: Ausflug in die Auenwiesen in der Nähe von
Turow. Neben balzenden Kampfläufern sind
Uferschnepfe, Rotschenkel, Tüpfelsumpfhuhn, Weißflügel-
und Zwergseeschwalbe, sowie Silberreiher und
Seeadler meist zu beobachten. Eine Besonderheit sind die Brutbestände
des Terekwasserläufers.
Exkursion zur Königseiche. Viele der alten Bäume
sollen über 700 Jahre alt sein (Halsbandschnäpper, Tannenhäher,
Kernbeißer, Weißrücken-, Klein- und Schwarzspecht).
Eine weitere Tour führt uns ins Brutgebiet der seltenen Lasurmeise
auf einer mit Weichholzauen bewachsenen Insel in der Pripjetaue.
Zwischen den prächtigen Beständen der Pechnelke und
der Sibirischen Schwertlilie brütet auch die Doppelschnepfe
auf den ausgedehnten Auenwiesen. Auf einer Bootsfahrt können Knäkente,
Wasserralle, Flußuferläufer und Uferschwalbe, Schilfrohrsänger,
Eisvogel, Rohrschwirl und Sprosser registriert werden.
14. Tag: Morgens machen wir noch einmal
eine Exkursion in der Nähe des Hotels (Wachtelkönig, Wendehals,
Blaukehlchen, Sperbergrasmücke) und anschließend fahren
wir nach Minsk.
15. Tag: Transfer zum Flughafen und Rückflug nach Frankfurt.